Im tiefsten Süden des Golmore-Dschungels, dort, wo selbst das Mondlicht nur in silbernen Fäden durch das Blätterdach fällt, wurde Furan Atoel geboren. Sie gehörte zu den Rava Viera, dem Volk der dunklen Wälder, deren Augen in der Nacht glimmen und deren Schritte lautlos zwischen uralten Wurzeln verschwinden. Schon als Kind war Furan anders. Während andere Viera die Stimmen des Waldes hörten – das Flüstern der Bäume, die Warnungen der Tiere, die Erinnerung der Ahnen – hörte Furan etwas, das nicht aus dem Wald stammte. In ihren Träumen sah sie ein brennendes Schwert aus rotem Licht, einen Himmel voller Sterne und eine Gestalt, die ihren Namen rief. Die Ältesten nannten es eine Unruhe der Seele.Der Tag des Blutes und des Feuers Dann kamen die Eindringlinge. Keine gewöhnlichen Holzfäller oder Soldaten, sondern schwarz gerüstete Krieger, die nach einem Kristallsplitter suchten, der unter den Ruinen verborgen lag. Furan stellte sich ihnen entgegen. Mit ihrer Sense spaltete sie Stahl und Schatten zugleich, und das rote Leuchten ihrer Waffe brannte wie flüssige Glut durch die Dunkelheit. Doch der Kampf hatte einen Preis. Der versiegelte Bereich brach auf. Die schlafende Verderbnis erwachte vollständig und verschlang Krieger wie Bäume gleichermaßen. Furans Vater opferte sich, um den Rückzug des Dorfes zu sichern. Bevor er starb, sagte er zu ihr: „Der Wald hat uns geboren. Aber er ist nicht das Ende unserer Pflicht.“
Warum sie den Wald verließ Nach der Schlacht verlangten die Ältesten, dass Furan ihre Waffe niederlege und niemals wieder die Grenzen des Waldes überschreite. Sie gaben ihr die Schuld daran, dass die alte Macht erwacht war, denn sie hatte die Ruinen berührt und das rote Licht entfesselt. In jener Nacht stand Furan allein zwischen den uralten Bäumen. Der Wald schwieg. Zum ersten Mal in ihrem Leben hörte sie nicht die Stimmen der Ahnen. Nur den Ruf des Kristalls. Sie erkannte, dass ihre Bestimmung nicht darin lag, den Wald vor der Welt zu verstecken, sondern die Welt vor dem zu schützen, was selbst den Wald verderben konnte. Furan legte ihre Stirn an den Stamm des ältesten Baumes und sprach: „Ich verlasse euch nicht aus Ablehnung. Ich verlasse euch, weil eure Wurzeln auch in der Welt außerhalb weiterleben.“ Dann verließ sie Golmore vor Sonnenaufgang – ein Schritt, den nur wenige Rava jemals wagen. Das Geheimnis, das sie niemandem erzählt Tief in ihrem Mantel trägt Furan noch immer ein kleines Stück Rinde aus dem ältesten Baum ihres Heimatwaldes. Manchmal, wenn der Wind richtig steht, glaubt sie ein fernes Flüstern zu hören. Nicht den Ruf, zurückzukehren. Sondern die leise Stimme ihres Volkes, die endlich verstanden hat: Manche Viera verlassen den Wald nicht, weil sie ihre Heimat vergessen. Sondern weil ihre Heimat zu klein geworden ist für das Schicksal, das sie tragen müssen.
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